Die deutschen Lebensversicherer haben immer mehr Probleme, im Niedrigzins die Garantiezusagen an ihre Kunden zu erwirtschaften. Vier von zehn Anbieter konnten im Zeitraum von 2016 bis 2018 höchstens in einem Jahr mit ihren Kapitalerträgen den garantierten Zins verdienen. 13 dieser Versicherer gelang dies sogar in keinem einzigen dieser drei Jahre. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Zeitschrift „Finanztest“, die sich die Geschäftszahlen der deutschen Lebensversicherer angeschaut hat.

In Zeiten niedriger Zinsen gelingt es vielen deutschen Lebensversicherern nicht mehr, aus den eigenen Kapitalerträgen die Garantieverpflichtungen aufgrund des Rechnungszinses zu erwirtschaften. Das zeigt eine aktuelle Studie der Zeitschrift „Finanztest“ (04/2020).

Von 79 untersuchten Versicherern konnten 31 Anbieter höchstens in einem der Jahre 2016, 2017 oder 2018 mit ihren Kapitalerträgen den garantierten Zins verdienen. 13 Versicherern gelang dies in keinem einzigen Jahr binnen dieser 36 Monate. Die Zeitschrift hat hierfür ausgewertet, wie stark die Versicherer ihre Kunden gemäß Mindestzuführungsverordnung (MindZV) an den Erträgen beteiligen. Aktuellere Daten liegen noch nicht für alle Versicherer vor.

Dies waren laut “Finanztest” im Geschäftsjahr 2018 die Versicherer mit dem größten Fehlbetrag zwischen Kapitalerträgen und Garantieverpflichtungen:

  • Debeka (-226 Millionen Euro)
  • HUK-Coburg (-82,6 Millionen Euro)
  • SV Sparkassenversicherung (-42,3 Millionen Euro)
  • HDI (-36,8 Millionen Euro)
  • LVM (-30,3 Millionen Euro)
  • Provinzial NordWest (-29,9 Millionen Euro)

Hochverzinste Altverträge und Riester-Garantien belasten Versicherer

Die Zahlen zeigen, wie sehr klassische Lebens- und Rentenversicherungen auf den Gesellschaften lasten. Die Versicherer haben noch Millionen hochverzinste Altverträge in ihrem Bestand, die einen Garantiezins zwischen 2,25 Prozent und bis zu vier Prozent vorsehen, berichtet „Finanztest”.

Das Problem: Diese Garantien müssen die Versicherer zum Großteil mit langjährigen und festverzinslichen Anleihen absichern, zum Beispiel Bundesanleihen. Also genau mit jenen Papieren, die im Niedrigzins nichts mehr einbringen, sogar einen Wertverlust bedeuten. Das schreibt ihnen der Gesetzgeber vor. Die Lebensversicherer stecken regelrecht in der Zinsfalle.

Wie sich die gesetzlichen Vorgaben auf die Anlagenpolitik der Lebensversicherer auswirkt, zeigen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Versicherer haben ihr Kapital zu über 80 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren investiert, nur 5,1 Prozent aller Kapitalanlagen stecken hingegen in Aktien und Fonds (Stand September 2019).

Zusätzlich müssen die Lebensversicherer Milliarden Euro der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) zuführen, um langfristige Verpflichtungen aus den klassischen Verträgen abzusichern. Dieser Finanzpuffer wurde 2011 eingeführt. Die Reserve orientiert sich ebenfalls an der Wertentwicklung europäischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit, den sogenannten Zinsswapsätzen laut Bundesbank. Ein Teufelskreis: Je weniger diese Papiere einbringen, desto mehr Geld müssen die Versicherer in den Not-Topf geben.

Zwar hat die Bundesregierung die Rechenformel für die Zusatzreserve 2018 korrigiert und damit die Versicherer deutlich entlastet. Dennoch mussten die Leben-Anbieter auch 2018 mehr als sechs Milliarden Euro für die Reserve zurückhalten. 2019 haben die Anbieter sogar rund 9,5 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve gesteckt.

Im Zweifel nachteilig für Versicherer und Kunden

Was aber tun, wenn die erwirtschafteten Kapitalerträge nicht ausreichen, um Garantiepflichten zu erfüllen? Die betroffenen Versicherer müssen Geld aus den Reserven und aus Risiko­-­ und anderen­ Überschüssen beisteuern. Das schmälert auch die Überschussbeteiligung des Kunden erheblich.

Doch auch für viele Versicherer lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Acht der Anbieter, die ihre Garantiepflichten nicht mit Kapitalerträgen verdienen konnten, befinden sich im Run-off, so berichtet “Finanztest”. Diese Anbieter versichern keine neue Kunden mehr, sondern wickeln ihre Altbestände nur noch ab.

Lebensversicherer im Neugeschäft mit minimalen Garantien

Die positive Nachricht: Gleichwohl zeigt die Studie auch, dass 48 Lebensversicherer keine Probleme hatten, im Erhebungszeitraum die Garantien zu erwirtschaften. Bereits seit fünf Jahren stellen die Gesellschaften ihr Neugeschäft fast komplett auf Tarife der sogenannten Neuen Klassik um. Diese Policen bieten nur minimale Garantien, etwa den Beitragserhalt zum Ablaufdatum. Im Gegenzug kann der Versicherer die Gelder der Kunden riskanter anlegen.

Die Policen der Neuen Klassik machten 2019 in der Lebensversicherung bereits 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus, berichtet der GDV-Verband anhand vorläufiger Zahlen. Gleichwohl haben die Sparer bei diesen Altersvorsorge-Verträgen auch weniger Sicherheiten: Sie tragen zum Großteil das Kapitalmarktrisiko.

Die deutschen Lebensversicherer haben immer mehr Probleme, im Niedrigzins die Garantiezusagen an ihre Kunden zu erwirtschaften. Vier von zehn Anbieter konnten im Zeitraum von 2016 bis 2018 höchstens in einem Jahr mit ihren Kapitalerträgen den garantierten Zins verdienen. 13 dieser Versicherer gelang dies sogar in keinem einzigen dieser drei Jahre. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Zeitschrift „Finanztest“, die sich die Geschäftszahlen der deutschen Lebensversicherer angeschaut hat.

In Zeiten niedriger Zinsen gelingt es vielen deutschen Lebensversicherern nicht mehr, aus den eigenen Kapitalerträgen die Garantieverpflichtungen aufgrund des Rechnungszinses zu erwirtschaften. Das zeigt eine aktuelle Studie der Zeitschrift „Finanztest“ (04/2020).

Von 79 untersuchten Versicherern konnten 31 Anbieter höchstens in einem der Jahre 2016, 2017 oder 2018 mit ihren Kapitalerträgen den garantierten Zins verdienen. 13 Versicherern gelang dies in keinem einzigen Jahr binnen dieser 36 Monate. Die Zeitschrift hat hierfür ausgewertet, wie stark die Versicherer ihre Kunden gemäß Mindestzuführungsverordnung (MindZV) an den Erträgen beteiligen. Aktuellere Daten liegen noch nicht für alle Versicherer vor.

Dies waren laut “Finanztest” im Geschäftsjahr 2018 die Versicherer mit dem größten Fehlbetrag zwischen Kapitalerträgen und Garantieverpflichtungen:

  • Debeka (-226 Millionen Euro)
  • HUK-Coburg (-82,6 Millionen Euro)
  • SV Sparkassenversicherung (-42,3 Millionen Euro)
  • HDI (-36,8 Millionen Euro)
  • LVM (-30,3 Millionen Euro)
  • Provinzial NordWest (-29,9 Millionen Euro)

Hochverzinste Altverträge und Riester-Garantien belasten Versicherer

Die Zahlen zeigen, wie sehr klassische Lebens- und Rentenversicherungen auf den Gesellschaften lasten. Die Versicherer haben noch Millionen hochverzinste Altverträge in ihrem Bestand, die einen Garantiezins zwischen 2,25 Prozent und bis zu vier Prozent vorsehen, berichtet „Finanztest”.

Das Problem: Diese Garantien müssen die Versicherer zum Großteil mit langjährigen und festverzinslichen Anleihen absichern, zum Beispiel Bundesanleihen. Also genau mit jenen Papieren, die im Niedrigzins nichts mehr einbringen, sogar einen Wertverlust bedeuten. Das schreibt ihnen der Gesetzgeber vor. Die Lebensversicherer stecken regelrecht in der Zinsfalle.

Wie sich die gesetzlichen Vorgaben auf die Anlagenpolitik der Lebensversicherer auswirkt, zeigen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Versicherer haben ihr Kapital zu über 80 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren investiert, nur 5,1 Prozent aller Kapitalanlagen stecken hingegen in Aktien und Fonds (Stand September 2019).

Zusätzlich müssen die Lebensversicherer Milliarden Euro der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) zuführen, um langfristige Verpflichtungen aus den klassischen Verträgen abzusichern. Dieser Finanzpuffer wurde 2011 eingeführt. Die Reserve orientiert sich ebenfalls an der Wertentwicklung europäischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit, den sogenannten Zinsswapsätzen laut Bundesbank. Ein Teufelskreis: Je weniger diese Papiere einbringen, desto mehr Geld müssen die Versicherer in den Not-Topf geben.

Zwar hat die Bundesregierung die Rechenformel für die Zusatzreserve 2018 korrigiert und damit die Versicherer deutlich entlastet. Dennoch mussten die Leben-Anbieter auch 2018 mehr als sechs Milliarden Euro für die Reserve zurückhalten. 2019 haben die Anbieter sogar rund 9,5 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve gesteckt.

Im Zweifel nachteilig für Versicherer und Kunden

Was aber tun, wenn die erwirtschafteten Kapitalerträge nicht ausreichen, um Garantiepflichten zu erfüllen? Die betroffenen Versicherer müssen Geld aus den Reserven und aus Risiko­-­ und anderen­ Überschüssen beisteuern. Das schmälert auch die Überschussbeteiligung des Kunden erheblich.

Doch auch für viele Versicherer lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Acht der Anbieter, die ihre Garantiepflichten nicht mit Kapitalerträgen verdienen konnten, befinden sich im Run-off, so berichtet “Finanztest”. Diese Anbieter versichern keine neue Kunden mehr, sondern wickeln ihre Altbestände nur noch ab.

Lebensversicherer im Neugeschäft mit minimalen Garantien

Die positive Nachricht: Gleichwohl zeigt die Studie auch, dass 48 Lebensversicherer keine Probleme hatten, im Erhebungszeitraum die Garantien zu erwirtschaften. Bereits seit fünf Jahren stellen die Gesellschaften ihr Neugeschäft fast komplett auf Tarife der sogenannten Neuen Klassik um. Diese Policen bieten nur minimale Garantien, etwa den Beitragserhalt zum Ablaufdatum. Im Gegenzug kann der Versicherer die Gelder der Kunden riskanter anlegen.

Die Policen der Neuen Klassik machten 2019 in der Lebensversicherung bereits 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus, berichtet der GDV-Verband anhand vorläufiger Zahlen. Gleichwohl haben die Sparer bei diesen Altersvorsorge-Verträgen auch weniger Sicherheiten: Sie tragen zum Großteil das Kapitalmarktrisiko.