In einem ersten Test hat die Finanzmarktaufsicht Bafin “Mystery Shopping” bei Banken ausprobiert. 36 ausgebildete Testkäufer fühlten mehreren Banken in Beratungsgesprächen auf den Zahn. Mit alarmierenden Ergebnissen.

Ab 2022 soll die Finanzmarktaufsicht Bafin Testkäufe bei Banken und Versicherungen durchführen, um zu prüfen, ob im Beratungsgespräch alle Regeln eingehalten werden. Um verschiedene Testkauf-Agenturen auf die Probe zu stellen und das neue Überwachungsmittel zu testen, schickte sie schon in diesem Jahr 36 Mystery Shopper los. Obwohl eigentlich nur ein interner Test geplant war und die Überprüfung nicht repräsentativ ist, sind die Ergebnisse alarmierend, wie Christian Bock, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz und zugleich Verbraucherschutzbeauftragter der BaFin, resümiert: „Die Fehlerquote war auf den ersten Blick auffällig: In zwölf von 36 Beratungsgesprächen, also in jedem dritten, wurden wichtige Informationsdokumente nicht übergeben.”

In fünf Fällen habe die sogenannte Geeignetheitserklärung gefehlt, in vier Fällen seien keine Kosteninformationen ausgehändigt worden. Bei weiteren drei Testkäufen hätten sogar beide Dokumente gefehlt, und das, obwohl beide gesetzlich vorgeschrieben seien.

  • Die Geeignetheitserklärung erhalten Privatkunden seit knapp drei Jahren. In der Erklärung müssen Banken schriftlich darstellen, weshalb die ausgesprochene Empfehlung zu dem jeweiligen Kunden passt.
  • Auch die Kosteninformation muss Kunden seit Anfang 2018 ausgehändigt werden. Institute müssen darin über alle Kosten und Nebenkosten im Zusammenhang mit Wertpapierdienstleistungen und dem jeweiligen Finanzinstrument informieren.

Mängel in der Beratung traten beim Bafin-Test bei fast allen getesteten Banken und allen vorgegebenen Kundenprofilen auf. Besonders stark häuften sich die Fehler jedoch bei Senioren. Hier gab es in der Hälfte aller Anlageberatungen Beanstandungen, in den beiden Profilen „Jugendliche“ und „Berufstätige“ dagegen nur in jeweils einem Viertel der Beratungen. „In den höheren Altersgruppen kommen verschiedene Einzelrisiken zusammen, das macht Ältere zu einer besonders verwundbaren Kundengruppe. Eine Häufung von Auffälligkeiten war also zu befürchten und die Daten bestätigen das“, erklärt Bock.

Banken nehmen Kundenangaben falsch auf

Neben den fehlenden Beratungsunterlagen gab es weitere Defizite: Unter anderem wurden Kundenangaben nicht immer zutreffend aufgenommen. Die Bafin vermutet ein System dahinter. Die falschen Angaben würden möglicherweise dazu dienen, “um eine bestimmte Empfehlung aussprechen zu können, die zu den Angaben nicht gepasst hätte”, heißt es in der Mitteilung.

Auch wenn die Stichproben des Mystery-Shopping-Piloten nicht repräsentativ waren: Die BaFin nimmt die Resultate sehr ernst. Christian Bock erklärt: „Die Daten erlauben zwar keine Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt, sind für mich aber ein klares Zeichen dafür, dass wir künftig bei der Anlageberatung noch genauer hinsehen müssen.“ In den kommenden Monaten und Jahren werde es deshalb darauf ankommen, den ersten Eindruck durch weitere Mystery-Shopping-Einsätze zu überprüfen. Die im Pilotprojekt auffällig gewordenen Institute spricht die BaFin direkt an und konfrontiert sie mit den Feststellungen.

Was können Kunden bei Falschberatung tun?

Kunden, die bemerken, dass Ihnen wichtige Dokumente fehlen, können diese von ihrem Berater nachfordern. Wer sich falsch beraten fühlt und die entsprechenden Dokumente nicht bekommen hat, hat womöglich sogar Anspruch auf Schadenersatz.

Den muss die Bank leisten, falls dem Kunden durch die fehlende oder fehlerhafte Beratung ein finanzieller Schaden entstanden ist und er das auch nachweisen kann, etwa wenn ihm die Kosten einer Anlage nicht bewusst waren oder sie nicht dem eigenen Risikoprofil entspricht. Gerade bei einer fehlenden Kosteninformation dürfte das also einfach sein.

Der Schadenersatz muss allerdings rechtzeitig eingefordert werden. So gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren ab dem Jahresende des Jahres in dem die Beratung statt fand. Bei einem wissentlichen Verstoß gegen die Beratungspflichten gelten sogar zehn Jahre.

Quelle

In einem ersten Test hat die Finanzmarktaufsicht Bafin “Mystery Shopping” bei Banken ausprobiert. 36 ausgebildete Testkäufer fühlten mehreren Banken in Beratungsgesprächen auf den Zahn. Mit alarmierenden Ergebnissen.

Ab 2022 soll die Finanzmarktaufsicht Bafin Testkäufe bei Banken und Versicherungen durchführen, um zu prüfen, ob im Beratungsgespräch alle Regeln eingehalten werden. Um verschiedene Testkauf-Agenturen auf die Probe zu stellen und das neue Überwachungsmittel zu testen, schickte sie schon in diesem Jahr 36 Mystery Shopper los. Obwohl eigentlich nur ein interner Test geplant war und die Überprüfung nicht repräsentativ ist, sind die Ergebnisse alarmierend, wie Christian Bock, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz und zugleich Verbraucherschutzbeauftragter der BaFin, resümiert: „Die Fehlerquote war auf den ersten Blick auffällig: In zwölf von 36 Beratungsgesprächen, also in jedem dritten, wurden wichtige Informationsdokumente nicht übergeben.”

In fünf Fällen habe die sogenannte Geeignetheitserklärung gefehlt, in vier Fällen seien keine Kosteninformationen ausgehändigt worden. Bei weiteren drei Testkäufen hätten sogar beide Dokumente gefehlt, und das, obwohl beide gesetzlich vorgeschrieben seien.

  • Die Geeignetheitserklärung erhalten Privatkunden seit knapp drei Jahren. In der Erklärung müssen Banken schriftlich darstellen, weshalb die ausgesprochene Empfehlung zu dem jeweiligen Kunden passt.
  • Auch die Kosteninformation muss Kunden seit Anfang 2018 ausgehändigt werden. Institute müssen darin über alle Kosten und Nebenkosten im Zusammenhang mit Wertpapierdienstleistungen und dem jeweiligen Finanzinstrument informieren.

Mängel in der Beratung traten beim Bafin-Test bei fast allen getesteten Banken und allen vorgegebenen Kundenprofilen auf. Besonders stark häuften sich die Fehler jedoch bei Senioren. Hier gab es in der Hälfte aller Anlageberatungen Beanstandungen, in den beiden Profilen „Jugendliche“ und „Berufstätige“ dagegen nur in jeweils einem Viertel der Beratungen. „In den höheren Altersgruppen kommen verschiedene Einzelrisiken zusammen, das macht Ältere zu einer besonders verwundbaren Kundengruppe. Eine Häufung von Auffälligkeiten war also zu befürchten und die Daten bestätigen das“, erklärt Bock.

Banken nehmen Kundenangaben falsch auf

Neben den fehlenden Beratungsunterlagen gab es weitere Defizite: Unter anderem wurden Kundenangaben nicht immer zutreffend aufgenommen. Die Bafin vermutet ein System dahinter. Die falschen Angaben würden möglicherweise dazu dienen, “um eine bestimmte Empfehlung aussprechen zu können, die zu den Angaben nicht gepasst hätte”, heißt es in der Mitteilung.

Auch wenn die Stichproben des Mystery-Shopping-Piloten nicht repräsentativ waren: Die BaFin nimmt die Resultate sehr ernst. Christian Bock erklärt: „Die Daten erlauben zwar keine Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt, sind für mich aber ein klares Zeichen dafür, dass wir künftig bei der Anlageberatung noch genauer hinsehen müssen.“ In den kommenden Monaten und Jahren werde es deshalb darauf ankommen, den ersten Eindruck durch weitere Mystery-Shopping-Einsätze zu überprüfen. Die im Pilotprojekt auffällig gewordenen Institute spricht die BaFin direkt an und konfrontiert sie mit den Feststellungen.

Was können Kunden bei Falschberatung tun?

Kunden, die bemerken, dass Ihnen wichtige Dokumente fehlen, können diese von ihrem Berater nachfordern. Wer sich falsch beraten fühlt und die entsprechenden Dokumente nicht bekommen hat, hat womöglich sogar Anspruch auf Schadenersatz.

Den muss die Bank leisten, falls dem Kunden durch die fehlende oder fehlerhafte Beratung ein finanzieller Schaden entstanden ist und er das auch nachweisen kann, etwa wenn ihm die Kosten einer Anlage nicht bewusst waren oder sie nicht dem eigenen Risikoprofil entspricht. Gerade bei einer fehlenden Kosteninformation dürfte das also einfach sein.

Der Schadenersatz muss allerdings rechtzeitig eingefordert werden. So gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren ab dem Jahresende des Jahres in dem die Beratung statt fand. Bei einem wissentlichen Verstoß gegen die Beratungspflichten gelten sogar zehn Jahre.

Quelle