Ein junger Vater schliesst eine Lebensversicherung mit tollen Renditeprognosen. Doch es wird ein Verlustgeschäft.

Ein Mann schloss 1999 bei der Swiss Life eine fonds-gebundene Lebensversicherung ab. Der Versicherungsvertreter schwärmte von hohen Renditen: «Man hat mir einen Gewinn von bis zu 50’000 Franken versprochen, wenn ich jeden Monat 100 Franken einzahle.» Eine solche Versicherung habe ihm, als junger Familienvater mit wenig finanziellen Reserven, eine gewisse Sicherheit gegeben.

Während 20 Jahren zahlte er total 24’000 Franken ein. Doch es wurde nichts mit der schönen Rendite. Im Gegenteil: Der Kunde erhielt nach Ablauf der Police von der Swiss Life nur gerade 22’500 Franken. Weniger als er insgesamt eingezahlt hatte.

«Ich hätte mein Geld besser zur Bank gebracht.»

Der Mann sagte: «Ich finde es eine riesige Enttäuschung, dass man nach 20 Jahren nicht einmal das Geld bekommt, das man eingezahlt hat.» Das Zinsniveau sei ja nicht immer so tief gewesen wie heute.

Es sei ihm schon klar gewesen, dass er bei Ablauf der Versicherung nicht gerade 50’000 Franken erhalten werde: «Aber 30’000 Franken oder mindestens so viel, wie ich eingezahlt habe, das war für mich keine Frage. Sonst hätte ich das Geld genauso gut auf ein Bankkonto legen können, einfach ohne Lebensversicherung.»

Kommt hinzu, dass die Auszahlung im Todesfall kaum je viel höher gewesen wäre als die eingezahlte Summe.

Swiss Life: Im Erlebensfall keine Renditegarantie

Swiss Life sieht bei sich weder einen Fehler noch eine Verantwortung für die Minus-Rendite. In einer Stellungnahme gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» heisst es: «Ein garantiertes Kapital im Erlebensfall gibt es bei dieser Versicherungslösung nicht.»

Es werde in den Unterlagen klar darauf hingewiesen, dass es sich lediglich um eine «prognostizierte Grösse» und nicht um eine Garantie handle.

Tipps

  • Bleiben Sie gegenüber Versicherungs- und Bankenvertretern kritisch. Diese wollen schliesslich mit Ihnen ein Geschäft machen.
  • Lassen Sie sich nicht von tollen Grafiken in den Unterlagen beeindrucken, sondern lesen Sie auch das Kleingedruckte. Oft steht dort, dass Sie auch einen Verlust machen können.
  • Prüfen Sie, ob ein Produkt eine Mindestzahlung garantiert oder nicht.
  • Fonds-Lebensversicherungen haben meist eine fixe Laufzeit. Da können Sie auch bei einer schlechten Performance der Fonds nicht einfach wieder aussteigen. Auch nicht, wenn Ihre Finanzen knapp werden.

Der Kunde habe sich selbst für die betreffenden Fonds entschieden, betont der Lebensversicherer. Er hätte diese Auswahl anpassen können. Die Entwicklung der gewählten Fonds habe mit dem Platzen der Tech-Bubble, der Finanzkrise und Währungsverlusten zu tun. «Der geringe Wertzuwachs der Fonds ist also nicht auf eine schlechte Bewirtschaftung der Fonds zurückzuführen», sagt Swiss Life.

Der Kunde hat sich auf den Versicherungsvertreter verlassen

Nun ist der Kunde kein Finanzspezialist, sondern er hat sich auf den Berater der Swiss Life verlassen. Und im Verkaufsgespräch hebt ein Versicherungsvertreter wohl eher die mögliche Rendite heraus und stellt die schlechten Szenarien als eher unwahrscheinlich dar.

Die Swiss Life dazu: «Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich heute leider nicht mehr feststellen lässt, welche Informationen und Aussagen im Einzelfall in den jeweiligen Abschlussgesprächen geflossen sind beziehungsweise gemacht wurden.» Man gehe davon aus, dass der Kunde jederzeit transparent über Chancen und Risiken informiert worden sei.

Der Kunde sieht dies anders und würde heute sein Geld nicht mehr einer Lebensversicherung anvertrauen: «Ich warne jeden, der so etwas unterschreibt, die Unterlagen dreimal durchzulesen und sich nicht mit irgendwelchen Traumrenditen einlullen zu lassen.»

Espresso, 13.02.2020, 08:13 Uhr